Am Nachmittag des 22.5.02 bildeten sich urplötzlich an einer vor der eigentlichen Kaltfront vorlaufenden Konvergenzlinie starke Gewitter.

(Eine Konvergenzlinie ist ein Gebiet, wo Winde aus 2 Unterschiedlichen Richtungen aufeinanderprallen und darauf nach oben ausweichen, wodurch sich Schauer und Gewitter bilden können.)

So eine Konvergenz lag fast unbemerkt am Nachmittag des 22.5. quer über Deutschland (in unserem Bereich Solling-Osterwald-Hannover) und bewegte sich fast nicht von der Stelle.

Am frühen Nachmittag bildeten sich nun an dieser Konvergenz bei schwül empfundenen 28°C innerhalb einer halben Stunde aus ein paar Quellwolken Gewitter über Osterwald und später Hildesheimer Wald und zogen nach Nordnordost. Als ich dies auf dem Radar sah, fuhr ich mit dem Fahrrad sofort ins Feld (Für Borsumer: Hinter dem Schweinestall die Straße rechts auf den ersten Hügel) Sobald ich aus dem Dorf war sah ich auch schon 2 Schauer.

Eines 20km hinter Harsum (Osterwald) und eines bei Hotteln, wobei bald schon das 2. Schauer hinter Harsum entlang zog, aus dem es jetzt auch donnerte: (So langsam kam mit dem Donnergrollen das richtige Feeling auf)

Da sich die Front ganz langsam noch Osten schob, verschwand auch nach und nach die relativ hoch im Südwesten stehende Sonne hinter dunklen, gefährlichen Wolken


Dann konnte ich doch tatsächlich die Konvergenz sozusagen hautnah miterleben:

Während der Zeit, die im bisher im Feld war, wehte stets ein böiger Südostwind und die Windräder zeigten dementsprechend auch nach Südost. Doch plötzlich sah ich die Windräder hinter Algermissen (nordwestlich von meinem Standpunkt) nach Nordwest zeigen, also entgegengesetzt zu den Rädern östlich von Borsum (auf dem Hogesberg) und auch entgegensetzt zu den Rädern nördlich von mir (hinter dem Bruchgraben). Doch auch die drehten sich 10 Minuten später von

Südost auf Nordwest und ich wusste, dass ich nicht mehr lange diesen warmen Wind genießen/ertragen durfte. Doch die Böe kam nicht sofort wie man denken könnte. Es dauerte mindestens volle 15 Minuten bis nach einer Böe aus Südost plötzlich eine aus Nordwest folgte, die sofort merklich kühlere Luft mitbrachte. Meine Wetterstation registrierte innerhalb einer Stunde einen Temperaturfall von 4,5°C. Doch noch war kein Tropfen gefallen...

Am Himmel war der Windwechsel mit schwarzen Wolken makiert, aus denen aber kein Niederschlag fiel:


Mein Blick richtet sich nun immer nach Südwesten bis Süd, ob doch da nicht irgendwo endlich ein Gewitter auftauchte, dass uns treffen könnte. Und tatsächlich, nachdem schon 3 Schauer weit hinter Harsum, aber jdesmal etwas dichter, vorbeigezogen waren, tauchte endlich was im Südwesten auf, dass uns treffen könnte. Aber noch war ich skeptisch. Und ich sollte Recht behalten, denn das Gewitter/Schauer löste sich, als es aus den Bergen nach Hildesheim (Hi liegt südwestlich von Borsum) herunterzog fast komplett auf. Einzig der Teil, der über die kleinen Berge bei Himmelsthür-Hasede im Westen lang zog konnte sich am Leben halten. Vom Rest waren nur noch etwas dunklere Wolken übrig geblieben, die immer noch eine Verbindung mit dem kleinen Schauer knapp hinter Harsum bei Hasede hatten. Und irgendwie sollte ich das Gefühl nicht loswerden, dass die Wolken vom ehemaligem Schauer immer dumkler würden. Und tatsächlich, die Wolkenreste quillten an allen Seiten und wurden immer dunkler. Auch kamen neue Fallstreifen aus den Wolkenresten, die an dem Schauer bei Hasede hingen, herunter, so dass ich hoffte, dass es aus den dunklen Wolken bis sie mich erreicht haben, Regen fallen würde. Und tatsächlich fielen ein paar große Tropfen, so das ich mich beim Schweinestall unterstellte, um den kleinen Regenguss abzuwarten, denn der Streifen aus den jetzt pechschwarzen Wolken war schon fast über mich hinweg. Der Schauer hat sich also knapp zu spät entwickelt. So stad ich da und schaute weiter nach Süden und nach oben, konnte aber nicht nach Norden und Nordwesten wegen dem Schweinestall selber schauen. Doch plötzlich hörte ich einen Donner aus Nordwesten. Es waren höchsten 8 Minuten vergangen als ich das letzte Mal auf der Straße stand und nach Nordwesten geguckt hatte und da war das Schauer nur an der stärksten Stelle nicht zu durchschauen (wegen der Fallstreifen). Doch was ich jetzt sah, machte mich sprachlos. Im Norden bis Nordwesten war großräumig alles dunkel und die großen Tropfen die immer noch, trotz hellem Himmel fielen, gehörten dazu. Es hatte sich also aus einem Schauer binnen Minuten ein dickes Gewitter gemausert. Das Schauer ist quasi explodiert. Und das das Gewitter stark war, zeigte es mir mit seinen sehr lauten Donnern, die sich meistens nach Erdeinschlägen anhörten. Später sah ich auf dem Regenradar auch, dass es die sträkste Intensität hatte, also Hagel auch mit von der Patie gewesen war. Ich schaute nun dem Gewitter noch 10 Minuten nach und hörte die mitunter sehr schlimm anhörenden Donnerschläge, doch als diese immer leiser wurden, widmete ich mich wieder dem Südwesten zu, und just in diesem Augenblick sah ich einen schönen Wolkenblitz genau in der richtigen Richtung, damit es uns treffen kann...(Foto ist kurz danach gemacht worden)


Meine Vorfreude wurde nach der vorherigen Enttäuschung immer größer. Das Gewitter entwickelte sich immer besser und sollte uns nach allen anfänglichen Zweifeln auch treffen. Die Blirzrate war nicht sehr hoch, doch für 2-4Blitze in der Minute reichte es. Und dann konnte ich noch beobachten wie in das Gewitter Nebel aus den Wäldern um Hildesheim aufstieg. Das war jene Feuchtigkeit, die die vorangegangenen Schauer/Gewitter hinterlassen hatten. Und nun sog also das Gewitter diese Feuchtigkeit, die sofort kondensierte (also als Nebel)in sich hinein. Das war wirklich sehr beeindruckend. Und langsam bildete sich auch eine Shelfcloud


Jetzt ging alles sehr schnell, die Shelfcloud wurde immer beeindruckender und plötzlich sah ich hinter Asel (also am westlichen Ende der Shelfcloud) eine sehr seltsam tiefhängende zerfetzte Wolke.


Mir kam sofort der Gedanke, dass es eine Funnelcloud sei (kurz: die Vorstufe eines Tornados und in schweren Gewittern auch in Deutschlnd nicht selten), jedoch konnte ich keine typische Rotation des Wolkenfetzen erkennen, obwohl er noch spektakuläerer wurde:


Wahrscheinlich war es ein Fractus-Fetzen, wie es in Fachkreisen genannt wird, aber eine Funnel kann nicht ausgeschlossen werden. Und wenn es eine gewesen seien sollte, ist davon auszugehen, dass sie auf dem Erdboden sogar Zweige und Äste abgerissen hat!! Jetzt noch einmal gezoomt: (in den Wolkenfetzen kann man nette Sachen hineininterpretieren:-)


Und jetzt, kurz bevor ich mich aus dem Staub gemacht hatte, schnell noch einmal ein Blick nach Südost (Blickrichtung: neuer Sportplatz)


Und ein Blick Richtung Norden (Harsum). Die Reste der seltsamen Wolke sind noch zu erkennen, jedoch vereinen sie sich mit der Shelfcloud.

Und ich hab es gerade noch so geschafft vor den stärksten Böen, die mindestens 2 Äste in Borsum abbrechen ließen, zu Hause zu sein! Danach kam auch schon der Regen in riesigen Tropfen, jedoch in unterschiedlichen Intensitäten. 20 Minuten lang im Wechsel zwischen starkem Gewitterregen (60-74,9mm/h) und starken Landregen (10mm/h) Dabei kamen 12mm zusammen. Hagel gab es nicht. Die Blitze waren in normaler Intensität und Häufigkeit.

Schöne Grüße Denis