Unwetter mit Hagel und Orkanböen trifft Borsum

Eins der schwersten Unwetter seit Menschengedenken zog am Montag, den 23. Juni 2003 über Borsum. Nach 32,3°C um 17 Uhr traf an diesem schwülen aber windigen Tag um 17:50 Uhr ein schweres Gewitter de Ort. Das Schlimme waren jedoch nicht das Gewitter, auch nicht der extrem heftige Regen, der in kurzer Zeit niederging, sondern der taubeneiergroße Hagel, der die Straßen und Wiesen stellenweiße weiß machte, und die Windböen, die überall Sturmstärke, aber nur in Borsum verheerende Orkanstärke erreichten!

-Laden Sie bitte zuerst den Regenradarloop herunter, damit Sie einen Überblick über die Lage bekommen! Borsum liegt ca (je nach Auflösung) 1-2cm südöstlich von Hannover-

Als ich um 17 Uhr auf das Radar schaute, glaubte ich meinen Augen nicht, den ganzen Nachmittag war in Richtung Westen nichts los, und jetzt war plötzlich ein Gewitter bei Bockenem und ein riesiges Gewitterband streckte sich von Bielefeld bis nach Hannover und hatte Zugrichtung auf Borsum! Ich fuhr mit dem Rad sofort ins Feld, wo diese Fotos entstanden:

(Für Erklärung Maus auf Bild ruhen lassen)

Richtung Westen ein Wolkenbatzen Dieser hat Verbindung zu dem vorauslaufenden Gewitter bei Hannover Blick Richtung Nordwest (Hannover) - Es gab schon einige gute Erdblitze zu beobachten Zu Sonne verdunkelte sich nun entgültig
Hinter dem Wolkenbatzen wird es langsam dunkel Plötzlich seh ich diese Fractusfetzen mit der hellen Lücke dahinter auf mich zurasen Nach kurzer Zeit fast über mir - ich schaue das ich wegkomme Zu Hause angekommen, fing es kurz an zu regnen, begleitet von einigen stürmischen Böen! Danach war wieder Ruhe!

Das erste Gewitter war samt dicken Hagel also knapp nördlich an mir vorbeigezogen. Aber das konnte es noch nicht gewesen sein, denn wie ich in Erinnerung hatte, ging das Gewitterband bis nach Bielefeld, also müsste davon südlich noch was kommen. Ich sparte mir den Blick aufs Regenradar und guckte lieber zum Himmel. Da bekam ich erstmal Richtung Nordosten (Peine) das zu sehen:

Die abziehende Gewitterwolke schießt wie ein Atompilz immer weiter nach oben Man sieht das der Wasserdapf wie eine Säule hinaufschießt Auch einige sehr gute Blitze waren darunter zu sehen

Nun aber wieder nach Westen geschaut, da musste doch noch was kommen.

Mein erster Blick enttäuschte mich, der Himmel sah zwar sehr bedrohlich und chaotisch aus, aber etwas direktes fand ich nach Westen noch nicht:

Hier erkennt man den Aufwindbereich Hierzu fällt mir nichts mehr ein!

Doch plötzlich war es abrupt sehr dunkel im Westen, und da war es, dass Gewitter auf das ich wartete...

Das musste es sein, es zieht mit sehr hoher Geschwindigkeit an! Über dem Haus sieht man den scharf abgegrenzten Regenvorhang, jetzt gab es keinen Zweifel mehr, dass es heftig wird Eine Regenwand: Der Regen stand unmittelbar bevor! Heulen setzte jetzt ein, dass immer lauter wurde...

Ich rannte noch schnell über den Hof und räumte Dinge beiseite, die nicht nass werden sollten oder von Böen weggerissen werden konnten (das hätte man ja auch mal früher machen können), dann hörte man plötzlich ein unheimliches Heulen und bevor man es richtig realisieren konnte, brach auch schon die erste Böe über einen herein. Meiner Schwester, die 20 Sekunden später ins Haus rannte flogen schon die Gartenstühle entgegen! Und gerade als sie drin war, brachen die ersten Äste mit einsetzen des starken Regens ab. Mit einer weiteren viel stärkeren Böe flogen gleichzeitig aus allen Bäume die Äste heraus und als auf dieser Böe noch eine weitere kurze Böe von 10 breite durch unseren Kastanienbaum schlug, brachen aus Ihm 2 Äste und schlugen auf den Hof (im Nachhinein waren es insgesamt mindestns 8 oberarmdicke Äste im ganzen Baum, die z.T. festhingen) In mehreren Wellen wurde der Niederschlag immer doller, sodass beim Höhepunkt, als diese einzige Böe vor meinen Augen den halben Kastanienbaum zerfetzte die Sicht bei höchstens 80m lag. Da ich schon einmal eine Niederschlagsintensität von 126mm/h von der gleichen Stelle aus beobachtete, kann ich sicher sagen, dass die Regenintensität für 2 Minuten bei mindestens 150 wenn nicht 180mm/h lag (also 3 mm in einer Minute). Durch den fürchterlich lauten Lärm der Böen in unsren Eschen konnte man kaum noch die Donnerschläge hören, obwohl es doch immer wieder blitze. Dann setzte plötzlich Hagel ein, mit kirschgröße (2cm Durchmesser) donnerte er auf unsere Schrägfenster und machte einen noch lauteren Krach als die draußen zusammenbrechenden Bäume. Zu diesem Moment wurden so einige Rolläden und Fliegengitter von dem Hagel durchlöchert. Wobei wir Glück hatten. In einem schmalen Streifen von Harsum zum Nordrand von Borsum und weiter nach Soßmar gab es Hagel von 3cm Durchmesser ("Taubeneiergröße"), der viele Äpfel und Kirschen aus den Bäumen schlug und noch 15 Minuten später als weiße Decke am Boden lag! Es wird sogar von einzelnen 4cm großen Hagelbrocken geredet und von bis zu 20cm hohen Hagelansammlungen an Wänden, während im gößten übrigen Teil von Borsum nur einzelne Hagelkörner herunterkamen!

Während des Unwetters konnte ich leider keine Bilder machen, da es draußen so dunkel war, dass mein Blitz auslöste und sich in der Fensterscheibe spiegelte (Leider wusste ich nicht wie man ihn ausschaltet, da meine Digicam erst 3 Tage alt war). Aber zum Glück kann ich Ihnen 3 Bilder aus Ilsede zeigen, die ungefähr die Stärke des Regens verdeutlichen, wenn auch nicht so extrem wie hier.

Autos kämpfen sich mit Licht durch die regengefüllten Böen Man kann gut die Regenwellen auf der Straße sehen! Hagel auf der Wiese

Nachdem der Wind aufgehört hatte, regnete es noch einige Zeit bei weiteren Blitzen schauerartig weiter. Ich lief zu diesem Zeitpunkt mit meiner Digicam herum, während man ständig Feuerwehrsirenen hörte, und inspizierte die Schäden: Und diese waren erschreckend!

So sah unser von 10 hohen Eschen und einer 100-jährigen Kastanie umgebende Hof von meinem Beobachtungsfenster aus:

Man sieht 2 imgestürzte Bäume und mehrere angebrochene Äste und der angesprungende Alarm des Autos! Das Wasser schießt noch über die Dachrinnen

Die Schäden

Nach ausführlicher Sondierung der Schäden in Borsum und Nachbardörfern komme ich zu folgenden Ergebnis: Der Downburst (die starken Böen zu Anfang des Gewitters) trat mit schadensbringenden Spitzen über 100km/h nur in Harsum, Borsum und Rautenberg (6km Länge) auf. In der Breite ist dieses Gebiet mit größeren Schäden an der Natur mit dem Borsumer Wald und 1km nach Hönnersum (Richtung Süden), und 1km Richtung Algermissen (Richtung Norden) abruppt abgegrenzt. In Harsum sind an exponiert stehenden Bäumen Äste abgebrochen und in Rautenberg ist ein großer Baum umgestürzt. Aus anderen Orte sind keine größeren Schäden bekannt. Und in der Mitte von diesem Gebiet liegt Borsum: Hier sind an mehreren Häusern Dachsteine bis zu 4m² Fläche abgeweht (vorallem das Pfarrheim war betroffen). Viele Äste sind abgebrochen, einige Bäume umgestürzt und aus einigen gesunden Bäumen waren so viele Äste herausgebrochen, dass sie in der Krone kaum noch Äste hatten. Bei der Tankstelle Giesemann ist ein Auto über eine Hecke in den dahinter liegenden Garten geflogen!

Die Lage der Schäden und des Hagelstreifen hab ich auch auf einer Karte festgehalten

Legende:

Das einfach gestreifte Gebiet weißt Schäde wie abgebrochene Zweige an Linden und abgebrochene Äste an Eschen auf.

Im doppelt gestreiften Gebiet sind Dachsteine weggflogen und ganze Bäume umgeknickt!

Im gelben Gebiet ist Hagel gefallen, der Rübenblätter total durchlöchert hat und Äpfel von den Bäumen geschlagen hat. Korngröße bis 4cm und Hagelschicht bis 10cm!

Hier nach Orten sortiert die Schäden, die die Böen anrichteten:

(Nur selten kann man die wirklichen Schäden auf diesen Vorschaubildern sehen, deswegen sollte man die meisten Fotos, nachdem man den Text dazu gelesen hat, auch anklicken, um die entscheidenen Details oder das ganze Ausmaß zu sehen)

Schäden an unsrem Hof

So sah es vor meinem Beobachtungsfenster aus! Zur Orientierung: Der Baum ist auch auf dem oderen linken Bild ganz rechts zu sehen! Dieser große Baum ist halb auf diesen Einkaufswagenunterstand und halb über unsere Einfahrt gefallen! Er war wirklich groß!

Der mächtige Ast in der Einfahrt:

In unserer Einfahrt ist ein Hauptast einer 15m hohen Esche weggebochen Hier liegt der Ast, zum Glück hat er keinen Schaden angerichtet Aber ein bisschen Morsch war er schon... ...es war schließlich schon seit ein paar Jahren ein Specht zu Gast

Gebäudeschäden auf unserem Hof:

Oben im Dach hat ein Ast einen Dachstein eingehauen Dieser Seitendachstein ist von unserem Haus so stark in diesen Busch hineingeweht, dass man ihn beim besten Willen nicht hinausbekommt Dieser Ast muss fast Senkrecht 10 Meter durch die Luft geflogen sein, um hinter das Dach zu kommen! Das Fenster war nicht richtig zu, sodass Blätter sich in die Küche pressten, obwohl es nicht im Wind lag!

Unser Kastanienbaum ist durch eine einzige unglaubliche Böe total zerlöchert (vorher hatte er noch nie einen einzigen frischen Ast verloren - Sommer wie Winter!)

Bei genauen hinsehen kann man einige Abbruchstellen sehen Näher dran, hier wurde der Baum um 2 Meter gestutzt!

In unserem Garten: Ein Baum blockiert die Dunkle Straße und die Hälfte des großen Nussbaums unseres Nachbarn ist auf unserer Telefonleitung und andere Bäume gefallen

Der Ast riß noch zwei Birken, einen Holunder und die Telefonleitung zu boden! In diesem Bild sieht man die Lücke - eigentlich könnte man hier keinen Himmel sehen Der Abbruchstelle Hier noch einmal: Der Baum hatte vorher mehr als den doppelten Umfang als auf diesen Bild!
Noch einmal näher dran Dieser Baum blockiert die Dunkelstraße und hat etwas von unserer Mauer zerschlagen

In der Nachbarschaft gab es auch noch viele weitere Schäden:

Die Denkmalstraße vor unserem Hof - Hier ist sie schon etwas aufgeräumt Das Dach vom NP-Markt vor unserem Hof: Die Bretter lagen ist zu 30m entfernt! Diese Trauerweide (?) bei unserem Nachbarn hat bis auf einen Ast alle verloren! Hinten sieht man die große abgebrochene Esche, sie hat ihre Zweige weit verstreut!
Dieser gesunde Nussbaum in der Dunklen Straße ist total zerzaust Hinten sieht man einen großen in ein Meter höhe abgebrochenen Obstbaum

Weitere Schäden im Dorf:

Auf dem Kinderspielplatz in der Denkmalstraße wurde der halbe Baum weggerissen! Hinter dem Baum von s. l. ist dieser abgebrochen Von dieser Fichte (?) ist gegenüber von Ebeling die Krone einfach in 6 Meter Höhe abgebrochen An diesem exponiert stehende Busch brachen sogar die Zweige nach hinten weg! (Sehr selten)
Beim Pfarrheim wurde dieser Baum stark gebeutelt - Auf den Riss im Stamm achten! Hier in der langn Straße wurde die Krone der Linde abgerissen War zu spät: Hier hingen alle Äste hinunter. Deshalb wurden sie abgesägt Wiederum zu spät: Das Dach des Pfarrheims wurde an mehreren Stellen abgedeckt, hier aber nichts mehr zu sehen.
Diese Birke am neuen Teich ist einfach in der mitte durchgebrochen Auch am neuen Teich Auch am neuen Teich, gleich mehrere Bäume liegen hier übereinander So wie hier am Heinrich-Ruhen-Platz verloren einige Häuser Dachsteine

Landstraßen bei Borsum

Richtung Algermissen. Alleine auf diesem Foto sind drei Äste zu sehen Dieser Baum Richtung Harsum, verlor alle Äste! (er wurde wie 4 weitere Bäume an dieser Landstraße am nächsten Tag gefällt) Ortsausgang Borsum: Dieser Baum in Borsum hielt die Kraft der Böen auch nicht stand
Dieser Kastanienbaum ziwschen Borsum und Harsum wurde sehr schwer getroffen - nach westen verlor er fast alle Äste Hier Blickrichtung Nord, leider war ich zu spät, alle Äste wurden beseitigt! Wie hier, wurden an mehren Stellen im Wald punktuell sehr viele Äste herunter gerissen!

Rübenfelder haben auch gelitten:

Nördlicher Ortsrand von Borsum: Die Rüben wurden ganz schön gebogen! Auch die Gerste litt stark: Viele Ehren sind heruntergeschlagen oder hängen abgeknickt am Halm Die unteren Fotos sind von einem Rüben an der Kreuzung vor Harsum. Sie waren schon im Frühjahr als einzigstes Feld vertrocknet, nun wurden ihre neu gedrillten Nachfahrn wieder halb vernichtet, wobei das angrenzende Nachbarsfeld überhaupt nichts abbekommen hat!!!
Hier schlugen große Hagelbrocken wie Geschosse ein! Viele Blätter sind ganz abgeknickt Hier die Reste der Rübenblätter besonders deutlich Hier sind man die Windschäden, die ihre übriges taten!

Aufräumarbeiten am Abend und am darauffolgenden Tag:

Die Kfz-Werkstatt im Borsumer Wald wurde von Ästen geradezu verschüttet Die Feuerwehr segte herabhängende Äste an der Straße nach Asel ab Dabei kam auch schweres Gerät zum Einsatz!
Die Feuerwehr muss auch in Brosum, Harsum und Rautenberg Äste absegen und Bäume fällen Am Tag danach kam die Gemeinde und sammelte die Äste ein! Hier wird der Ast der dicke Ast von der Esche in der Einfaht kleingesägt

Letzte Aktualisierung am 29.06.03 um 15 Uhr

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